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Sailing Rocks – Felsenwanderung im Tal des Todes

posted by GOE on 2009.03.02, under PLACES

Die Erde hat noch einige mysteriöse Geheimnisse in petto – im Death Valley, in der nordamerikanischen Mojave-Wüste, beschäftigt ein solches Mysterium die Wissenschaft bereits seit geraumer Zeit. Es sind die sogenannten Sailing Rocks, die auf rätselhafte Weise über die flache Ebene der Racetrack Playa wandern. Versuchen die Felsen dem Tal des Todes zu entkommen?

ma-RED_70_1_44643Sailing Stone auf der Racetrack Playa.

Das Death Valley ist für sich genommen schon ein besonderer Ort. Seine von mehreren Gebirgsketten umschlossene Fläche erstreckt sich über mehr als 13.000 km² und bietet Stoff für allerhand Geschichten. Seinen Namen erhielt es nachdem im Jahr 1849 eine Gruppe von Glücksrittern, die im Goldrausch nach Kalifornien aufgebrochen war, in der Durchquerung des Tals eine Abkürzung wähnte und dort wochenlang ausweglos umherirrte. Zahlreiche Geisterstädte zeugen noch heute von der Anwesenheit der Goldgräber, die es immer wieder in die unwirtliche Gegend verschlagen hat. Es ist ein Ort der Extreme, Temperaturen von bis zu 60 °C machen ihn zum heißesten und trockensten Nationalpark der USA und Badwater ist mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der Vereinigten Staaten. Ein Stück der legendären Route 66 verläuft durch das Tal, das auch Kulisse für den Showdown zwischen der Polizei und Charles Manson war, der sich mit seiner Family auf der Barker Ranch versteckt hielt.

Die Racetrack Playa fügt dieser an Abwechslung nicht armen Einöde ein weiteres Highlight hinzu. In dem ehemaligen Flussbett am westlichen Ende des Death Valley können erstaunte Besucher die Spuren von Felsen beobachten, die sich scheinbar wie von Geisterhand über die ebene Fläche bewegen. Seit der ersten wissenschaftlich dokumentierten Entdeckung des Phänomens vor gut 60 Jahren suchen Geologen nach einer plausiblen Erklärung für die Bewegung. Ein früher Erklärungsversuch führt die Gravitation als Ursache an und argumentiert, dass die Ebene ein Gefälle aufweist, wodurch die Felsbrocken langsam bergab rutschen. Tatsächlich weist die Racetrack Playa ein Nord-Süd-Gefälle auf, jedoch nur von 4 cm – auf einer Länge von 4,5 km. Die Gravitationsthese scheint damit eher abwegig, zumal die meisten Steine „bergauf“ wandern.

Mitte der 90’er Jahre nahm sich Dr. Paula Messina von der San Jose State University in Kalifornien der Untersuchung des Rätsels an. Den eigentlichen Bewegungsvorgang hatte bis dahin noch niemand beobachtet. Durch die Abgeschiedenheit des Gebietes waren den Möglichkeiten der wissenschaftlichen Erforschung natürliche Grenzen gesetzt. Eine Installation von Kameras war ausgeschlossen, da die Region 1994 zum Nationalpark erklärt wurde. Messina beschloss die Position jedes einzelnen der 162 Steine mittels GPS zu ermitteln, um deren Bewegung bei einer späteren Erhebung abgleichen und zentimetergenau verfolgen zu können. Im Verlauf der Datenauswertung und Betrachtung der klimatischen und geologischen Bedingungen ermittelte die Wissenschaftlerin zwei maßgebliche Faktoren für die Drift: Wind und Wasser. Die Oberfläche der Playa besteht aus feinem tonhaltigem Sediment, das bei Feuchtigkeit extrem glatt wird. In Verbindung mit den orkanartigen Stürmen, die zeitweise mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h über das 1130 Meter hochgelegene Areal hinwegfegen, könnte hier die Erklärung zu finden sein.

So leicht gibt der Racetrack sein Geheimnis jedoch nicht preis. Größe, Gewicht und Form scheinen keinen erklärbaren Einfluss auf Geschwindigkeit und Richtung der Felsen zu haben – manche bewegen sich in kurvenreichen Bögen, andere geradlinig und hinterlassen dabei Spuren von bis zu einem Kilometer Länge. Doch der Wind verrät noch mehr. An der südöstlichen Seite der Playa wird er durch die umgebenden Berge kanalisiert und formt einen natürlichen Windkanal – hier finden sich die längsten und geradesten Spuren. In der Mitte hingegen, wo zwei Windströme aufeinandertreffen, sind vermehrt die gewundenen Pfade auszumachen.

Dennoch bleibt die Frage, ob der Wind, selbst bei rutschigem Boden, genug Kraft entwickeln kann, um die bis zu 350 kg schweren Felsbrocken zu bewegen. Dr. Messina hält es für möglich, dass im Boden lebende Bakterien in Regenzeiten aktiv werden und lange haarförmige Fasern ausbilden, die zu einem Schmierfilm auf der Oberfläche führen, der selbst den schwersten Stein bei einem leichten Windstoß sanft dahingleiten lässt.

Was genau des Rätsels Lösung ist, wird wohl nicht endgültig geklärt werden. Die Playa darf bei Nässe nicht betreten werden – jeder Fußabdruck würde eine dauerhafte Narbe im Boden hinterlassen. Für Paula Messina ist das zu verschmerzen: „In der Wissenschaft geht es um das Streben nach Wissen und nicht notwendigerweise darum, alle Antworten zu kennen. Ein Teil der Verlockung dieses Ortes liegt in seinem Mysterium. Von mir aus kann das auch gerne so bleiben.“
pbs.org

geology.com

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